Berliner Konzert Chor

Wiederentdeckt: Chormusik von Meyerbeer

Giacomo Meyerbeer (1791–1864)

Zusatzkonzert 2019/20
Sonntag, 3. Mai 2020 um 16:00 Uhr
Auenkirche (Wilhelmsaue 118A, 10715 Berlin)

Konzertausfall

Aufgrund der aktuellen Coronavirus-Situation und der Einstellung von allen Proben bis frühestens den 19. April haben wir uns schweren Herzens entschlossen auch das Konzert am 3. Mai abzusagen und die Aufführung auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. 

Giacomo Meyerbeer wurde 1791 in Tasdorf (heute Ortsteil von Rüdersdorf bei Berlin) in einer begüterten jüdischen Berliner Familie geboren. Früh ermöglichte man ihm eine gediegene musikalische Ausbildung. Dann ließ er sich für einige Jahre in Italien nieder, komponierte dort mehrere italienische Belcanto-Opern und erwarb sich damit einen Namen, auch als Pianist und Dirigent. Eigene Opern studierte er zeitlebens an Opernhäusern selbst ein. Ab 1824 machte er zunehmend Paris zu seinem Lebensmittelpunkt. 1831 wurde er dort mit seiner Oper Robert der Teufel schlagartig zur Berühmtheit. Mit dieser und weiteren Opern sowie mit seiner intensiven praktischen Theaterarbeit formte er den Typ der „Grand opéra“, im Frankreich des 19. Jahrhunderts die führende musikalische Gattung. Die Franzosen feierten den deutschen Juden als den Ihren, sahen ihn als französischen Nationalkomponisten. Auch im Ausland wurde er sehr gefragt.

Für Meyerbeer blieben Opern der musikalische Schwerpunkt seines Schaffens. Das verdeckte sehr die Tatsache, dass er auch eine Fülle an wichtigen Liedern schuf. Als der Komponist 1842 in Berlin zum „Königlichen General-Musikdirektor und Hof-Kapell-Meister“ ernannt wurde, wuchsen ihm vielfältige Aufgaben zu, dienstlich für höfische Ereignisse zu komponieren. So entstanden Huldigungs- und Festmusiken, Festmärsche und Fackeltänze, aber auch viele kleine intime, kantatenartige Werke für Chor, mit und ohne Klavierbegleitung. Für einzelne, höfische Anlässe, wie Feiern, Feste, Hochzeiten, Geburtstage, Jubiläen, geschrieben, gerieten sie bald in Vergessenheit, galten, salopp formuliert, als durchaus zu vernachlässigende Gelegenheitswerke. Übersehen wurde, dass dabei blitzgescheite und mit großer Ernsthaftigkeit verfasste musikalische Werke aus dem öffentlichen Blickfeld verschwanden. Dieser Zustand dauert bis heute an. Einer Änderung soll das heutige Programm mit einer kleinen, aber farbigen, abwechslungsreichen Auswahl an Kantaten und Liedern dienen. Sie künden auf poesievolle, sehr romantische Weise vom Sinn des Lebens, von der bürgerlichen und adligen Gedankenwelt in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Mehrere der Stücke des Programms dürften nach dem einstigen Anlass erstmals wieder öffentlich erklingen.

Für das Vergessen um Meyerbeer gab und gibt es vielfältige Ursachen. Im ausgehenden 19. Jahrhundert war der Typ der Grand opéra nicht mehr gefragt. Damit wurde der Eifer um die Meyerbeer-Werke um vieles geringer. Nach dem für Frankreich verheerenden Ausgang des Preußischen Krieges 1870/71 erkannte man im Komponisten wieder den Deutschen, besonders mit Beginn des Ersten Weltkrieges war er einer der „Erzfeinde“. In Deutschland galt er hingegen als Franzose. Hierzulande spielte die Grand opéra kaum eine Rolle. Sie galt als französisch, als Ausstattungs-Oper, daher als oberflächlich. Weiter ist zu beachten, dass der gefeierte und hoch gewürdigte Komponist von Beginn an immer wieder auch antisemitischen Herabwürdigungen ausgesetzt war, in Deutschland tat sich schon Richard Wagner eifernd und prägend hervor, begleitet von vielen anderen Stimmen, solche Angriffe mehrten sich. Im faschistischen Deutschland schließlich wurde er vollends verfemt, sein Schaffen aus dem öffentlichen Bewusstsein getilgt. Dieser traurige Zustand dauerte auch noch in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg an. Zögerlich begann man dann wieder mit der Annäherung an Meyerbeer. Das galt vorrangig den Opern. Mit unserem heutigen Konzertangebot widmen wir uns seinen kleinen Formen. Damit einher wollen wir teilhaben, eine historische Schuld gegenüber diesem großen Komponisten abzutragen.

Wichtige Anregungen und Unterstützung für das Konzert verdanken wir der Sängerin Andrea Chudak.

Mit freundlicher Unterstützung von:

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